Inklusion braucht mehr als gute Absichten
Inklusion wird oft genannt, aber selten erklärt. Kommunikations- und Inklusionsexpertin Saphir Ben Dakon ordnet den Begriff ein: Sie zeigt auf, warum Inklusion für Menschen mit Behinderungen eine Frage von Strukturen, Sprache und gesellschaftlicher Haltung ist.
Inklusion beginnt bei den Strukturen

«Inklusion ist in diesem Sinne ein Strukturbegriff», so Saphir Ben Dakon. «Es geht um den Prozess, der Strukturen so weit verändert, dass möglichst alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben können.» Inklusion richtet den Blick nicht auf einzelne Personen, sondern auf Systeme. Sichtbar wird das im Alltag: dort, wo Informationen verständlich aufbereitet sind, Räume zugänglich geplant werden und Teilhabe nicht von individuellen Voraussetzungen abhängt.
Teilhabe ist mehr als Offenheit

Inklusion werde oft gut gemeint, aber falsch verstanden, hält Saphir Ben Dakon fest. «Alle willkommen zu heissen genügt nicht, wenn wir nicht mitdenken, ob alle auch Zugang haben.» Häufig bleibe es bei punktuellen Gesten oder einzelnen Anlässen, während sich an den bestehenden Strukturen nichts ändere. Inklusion beginnt dort, wo Angebote von Anfang an so gestaltet sind, dass Menschen mit Behinderungen selbstverständlich mitgemeint sind. Nicht als Ausnahme, sondern als Teil des Ganzen.
Ausgrenzung jenseits sichtbarer Barrieren

Was Menschen mit Behinderungen ausschliesst, ist nicht immer sofort erkennbar. Für diese Form der systematischen Benachteiligung von Betroffenen gibt es einen Begriff: «Ableismus ist ein Überbegriff für alle Formen und Ebenen von Diskriminierung gegenüber Menschen mit Behinderungen», erklärt Saphir Ben Dakon. Er zeigt sich in Sprache, Bildern und Annahmen. Ableismus verdeutlicht, dass Inklusion über sichtbare Barrieren hinausgeht und im Denken beginnt.
Saphir Ben Dakon
Saphir Ben Dakon ist eine Kommunikations- und Inklusionsexpertin, die sich dafür einsetzt, Inklusion durch Sprache und Kommunikationsprozesse greifbar zu machen. Sie ist ausserdem Stiftungsrätin der Stiftung Denk an mich und Vizepräsidentin von Agile, dem Schweizer Dachverband der Selbsthilfe- und Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen.
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Bildquelle: Stiftung Denk an mich / Cemil Erkoc