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Journal
Inklusive Sprache

Wie Sprache über Teilhabe entscheidet

22.01.2026

Zwischen Sichtbarkeit und Zuschreibung

Menschen mit Behinderungen sind in der Medienberichterstattung nach wie vor unterrepräsentiert. Wenn sie vorkommen, dann häufig in zugespitzten Rollen: als bemitleidenswerte Betroffene oder als Held:innen, die «trotz Behinderung» Erstaunliches leisten. Senad Gafuri, Geschäftsleiter von Reporter:innen ohne Barrieren, fordert realitätsnähere Geschichten: «Wir wollen die Bilder in den Köpfen verändern, die Medien über Menschen mit Behinderungen erzeugen. Weg von Mitleid und Ausnahme, hin zu differenzierten Perspektiven.»

Die Wirkung alltäglicher Metaphern

Abwertende Bilder entstehen nicht nur in Schlagzeilen. Sie stecken auch in Redewendungen und Metaphern, die wir beiläufig benutzen: etwa «auf taube Ohren stossen», «lahme Ausrede» oder «einen blinden Fleck haben». Solche Zuschreibungen nutzen Behinderungen als Symbol für Unfähigkeit oder Scheitern und prägen Erwartungen, ohne dass wir es merken. «Wenn Behinderungen sprachlich als Bild für etwas Negatives benutzt werden, verknüpft das unbewusst eine ganze Gruppe mit diesen Bedeutungen. Selbst wenn es nicht böse gemeint ist», so Senad Gafuri.

Warum Kontext entscheidend ist

Inklusive Sprache heisst nicht, alltägliche Wendungen komplett zu vermeiden. Viele Ausdrücke funktionieren unabhängig vom Kontext Behinderung. So ist es in Alltagssituationen unproblematisch, zu einer Person im Rollstuhl «Wie geht’s?» zu sagen oder sich mit «Wir sehen uns» von einer Person mit Sehbehinderungen zu verabschieden. «Respekt zeigt sich nicht durch Sprachakrobatik oder durch Angst, etwas Falsches zu sagen. Entscheidend ist die Haltung dahinter. Wenn Menschen nicht auf Defizite reduziert werden, entsteht ein respektvoller Umgang», erklärt Senad Gafuri.

Senad Gafuri

Senad Gafuri ist Geschäftsleiter von Reporter:innen ohne Barrieren und treibt das Anliegen einer inklusiven Medienwelt voran. Unter seiner Leitung entwickelt Reporter:innen ohne Barrieren Trainingsprogramme, fördert Journalist:innen mit und ohne Behinderungen und stärkt die Präsenz unterschiedlicher Perspektiven in Medienbeiträgen, um Vorurteile abzubauen und einen inklusiven Diskurs zu fördern.

Häufige Ausdrücke und warum sie problematisch sind

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Key Facts

Warum sprechen wir bei der Stiftung Denk an mich von Menschen mit Behinderungen?

Die Stiftung Denk an mich orientiert sich an der UN-Behindertenrechtskonvention. Wir verwenden bewusst den Begriff Menschen mit Behinderungen, weil Behinderungen meist nicht aus der Person selbst entstehen, sondern durch Barrieren in der Umwelt: etwa durch fehlende Zugänge, Vorurteile oder starre Strukturen. Diese Wortwahl rückt den Menschen in den Mittelpunkt und macht deutlich: Menschen sind nicht behindert, sondern werden im Alltag behindert. Damit bringen wir unsere Haltung zu Inklusion sprachlich zum Ausdruck.

Bildquelle: Cemil Erkoc

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