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Leichte Sprache

Leichte Sprache macht Demokratie verständlich

28.08.2025
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Wenn Worte zur Barriere werden

Bei der Behindertensession 2023 im Bundeshaus forderte Damian Bright verständliche Abstimmungsunterlagen.

Für viele Menschen sind Abstimmungsunterlagen schwer zugänglich. Die Texte sind voller Fachbegriffe, endloser Sätze und juristischer Wendungen. Damian Bright engagiert sich seit Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Doch für ihn bleibt das rote Abstimmungsbüchlein eine Hürde: «Um es zu lesen, brauche ich einen ganzen Morgen», erzählt der 34-Jährige, der mit Trisomie 21 lebt. Komplexe Sprache verhindert, dass er sich schnell und eigenständig eine Meinung bilden kann.

Sprache entscheidet über Mitbestimmung

Bettina Ledergerber verbindet bei Pro Infirmis ihre journalistische Erfahrung mit dem Einsatz für barrierefreie Kommunikation.

Damit politische Informationen alle erreichen, übersetzt das Büro für Leichte Sprache von Pro Infirmis amtliche Unterlagen. Mitbegründet hat es Bettina Ledergerber, die sich seit einem Jahrzehnt für mehr Verständlichkeit einsetzt. «Nur einfache Informationen helfen uns, eine Meinung zu bilden und mitzureden», betont sie. Übersetzungen werden stets von Menschen mit Behinderungen geprüft. So entstehen Texte, die Zugänge eröffnen und damit Demokratie barrierefrei machen.

Texte, die alle verstehen

Als Prüfer diskutiert Hanspeter Roost gemeinsam mit anderen, welche Sätze und Wörter wirklich verständlich sind.

Hanspeter Roost ist seit über zehn Jahren Prüfer im Büro für Leichte Sprache. Seine Aufgabe: Texte lesen, beurteilen und verbessern. «Wenn ich lese, frage ich: Verstehen das alle?», erzählt er. «Es macht mir Freude, anderen Menschen zu helfen, schwierige Wörter leichter zu verstehen.» Für Hanspeter ist Leichte Sprache nicht nur Arbeit, sondern ein Beitrag zu Gerechtigkeit und einer barrierefreien Demokratie, an der alle teilhaben können.

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Key Facts

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache ist eine klar vereinfachte Form des Deutschen. Sie arbeitet mit kurzen Sätzen, einfachen Wörtern und einer übersichtlichen Struktur. Ihr Ziel ist, dass alle Menschen Texte selbstständig verstehen können – besonders Menschen mit kognitiven Behinderungen oder Lernschwierigkeiten. Im Unterschied zur Einfachen Sprache ist Leichte Sprache strenger geregelt und wird jeweils von Betroffenen geprüft. So wird sichergestellt, dass Texte wirklich verständlich sind.

Heute kommt Leichte Sprache in vielen Bereichen zum Einsatz: in Informationsbroschüren, in Museen, auf Webseiten und seit Kurzem auch bei Abstimmungsunterlagen. Erste Kantone und Städte gehen voran: In Zürich oder Basel-Stadt erhalten Stimmberechtigte bereits Unterlagen in Leichter Sprache, während St.Gallen eine Kurzfassung in Einfacher Sprache bereitstellt und Bern Inhalte online anbietet.

Bildquelle: Pro Infirmis

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