Neurodivergenz: Oder die Vielfalt des menschlichen Hirns
Neurodivergenz. Darunter fallen ADHS, Lernschwierigkeiten oder das Autismus-Spektrum. Rund 15 bis 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind neurodivergent. Sie nehmen Informationen, Gefühle und Reize anders wahr als die Mehrheit der Gesellschaft. Hier setzen Museen, Theater oder Festivals an. Entsprechende Angebote sind noch unbekannt. Dies beginnt sich nun zu ändern.
«Rückzugsorte sind wichtig»

Zugang für alle
Die Inklusionsbeauftragte Simone Russi zeigt einem Besucher ein Experiment.
Simone Russi ist Inklusionsbeauftrage des Technorama in Winterthur. Hier erleben Besucherinnen und Besucher Phänomene aus Natur und Technik hautnah. Zudem können sie selbst experimentieren. Das bedeutet auch: Menschenmengen, Lärm und viel zu sehen. Diese Reizüberflutung kann für neurodivergente Menschen überfordernd sein. Simone Russi weiss aus eigener Erfahrung, dass Ruhe hilft. Deshalb hat sie die Stille Stunde eingeführt. Doch bei einem Besuch zu den regulären Öffnungszeiten hilft dies nicht. Darum plant sie nun einen fixen Ruheraum.
Das Unbekannte als Herausforderung

Dinge anfassen und begreifen
Das Technorama vereint.
Für Menschen, die mit Neurodivergenz leben, sind nicht nur akustische Reize anstrengend, sondern auch das Unbekannte. Was erwartet Interessierte im Museum? Was funktioniert wie? Damit der Besuch im Technorama gut vorbereitet werden kann, hat Simone Russi eine spezielle Informationsbroschüre geschaffen. Darin gibt es Bilder, die den Besuch Schritt für Schritt dokumentieren. Wo ist der Eingang? Gibt es eine Drehtüre? Ist sie aus Glas? Dazu Beschriebe zu den Ausstellungen. Leichte Sprache ist eine andere Massnahme für Inklusion und Barrierefreiheit im Technorama - oder Hilfsmittel wie ein Ohrenschutz. Solche Angebote bekannter zu machen, ist Simone Russis Mission.
Bei diesem Theater ist fast alles erlaubt, was sonst stört
Nie ganz dunkel.
Die Beleuchtung ist ein grosses Thema.
Bei Relaxed Performances wird es im Publikumsraum nie ganz dunkel. Es ist jederzeit möglich, den Saal zu verlassen und wiederzukommen. Auch anderes, das sonst im Theater eher stört, ist erlaubt. So etwa Sprechen. Gelebt wird diese barrierefreie Freizeitaktivität am Theaterfestival auawirleben in Bern. Hier stehen zudem zusätzliche Sitzgelegenheiten zur Verfügung – ganz entspannt halt. Das Festival auawirleben ermöglicht so, neurodivergenten Personen die Teilnahme an kulturellen Freizeitangeboten. Barrierefreiheit steht seit Jahren im Fokus der Veranstaltung. Möglichst viele Menschen mit und ohne Behinderungen sollen Zugang zu kultureller Vielfalt haben. Am 6. Mai geht es los.
Ein Raum, der alle Sinne anregt

Die Faszination der Sinne.
Warmes Licht hilft bei der Entspannung.
Snoezelen ist eine Methode zur Entspannung und Sinnesanregung. In speziell gestalteten Räumen werden durch Licht-, Klang-, und Dufteffekte wie Wassersäulen, Musik oder Aromen sensorische Reize erzeugt. Diese fördern die Ruhe, reduzieren die Angst und steigern das Wohlbefinden. Vor allem für Menschen im Autismus-Spektrum oder mit ADHS, weil bei ihnen Reizüberflutung ein grosses Thema ist. Snoezelen hat allerdings für alle positive Effekte.
In Weinfelden hat Franziska Akalan den Raum LUNARIS im Frühling 2026 eröffnet. Es ist ein Ort für Menschen mit und ohne Behinderungen, zum Herunterfahren, Entspannen und Wahrnehmen. Der Raum ist ganz weiss; die Wand, der Tisch, die Sitzecke und die Matratze. Franziska Akalan hat darin einen Parcours entwickelt, der zu verschiedenen Stationen führt. Das Ziel ist die Reizreduktion. Dies wirkt sich gut auf neurodivergente Personen aus. Die Reduktion ist zentral, um das Nervensystem zu entlasten. Snoezelen kommt ursprünglich aus Holland und setzt sich aus den Worten snuffelen = schnüffeln und doezelen = dösen zusammen.
Radiobeitrag
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Neurodivergenz: Das Unbekannte als Herausforderung
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Neurodivergenz: Oder die Vielfalt des menschlichen Hirns
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Bei diesem Theater ist fast alles erlaubt, was sonst stört
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Ein Raum, der alle Sinne anregt
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Key Facts
Was bedeutet Neurodivergenz?
Neurodivergenz beschreibt Gehirne, die anders funktionieren als die Mehrheit der menschlichen Gehirne. Es ist eine natürliche Variation, die Wahrnehmung, Denken und Verhalten beeinflusst. Autismus, ADHS oder Legasthenie gehören dazu.
-Mehr Beispiele:
Autismus-Spektrum, Dyslexie (Lese-Rechtschreib-Schwäche), Dyskalkulie, Tourette-Syndrom, ADHS.
-Herausforderungen und Stärken:
Für Menschen, die mit Neurodivergenz leben, besteht ein hohes Risiko für hohen Leidensdruck durch Anpassungszwang. Auf der anderen Seite haben viele Stärken in Bereichen wie hohe Konzentrationsfähigkeit bei interessanten Themen oder kreatives Denken.
-Haltung:
Neurodivergenz soll als Teil der menschlichen Vielfalt betrachtet werden.
Bildquelle: zVg